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Thema: HÖR-Bar

Ist Liebe lauter nichts...

Ist Liebe lauter nichts, wie dass sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewusst?
Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut, wie dass man Freud aus ihr empfindet?
Lieb ich gar williglich, wie dass ich Schmerzen trage?
Muss ich es tun, was hilft´s, dass ich solch Trauren führ?
Tu ich´s nicht gern, wer ist´s, der es befiehlet mir?
Tu ich´s gern, warum, dass ich mich dann beklage?
Ich wanke wie das Gras, so von den kühlen Winden
Um Vesperzeit bald hin geneiget wird, bald her.
Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer
Von Wellen umgejagt nicht kann zu Rande finden.
Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß,
Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.

(aus dem Italienischen von Martin Opitz)

Jedes Mal, wenn ich diese Zeilen lese, entsteht vor meinem inneren Auge das Bild jenes einsamen Manns, der im Staub Italiens durch die Provinzen zieht, immer auf der Suche nach Linderung seines Liebesleids. Ja, er wusste, was ein gebrochenes Herz bedeuten kann, er spürte am eigenen Leib, wie schmerzvoll eine unmögliche Liebe sein kann. Sein Leben lang liebte Francesco Petrarca Madonna Laura. Sie war es, die ihn Jahrzehnte lang inspirierte, sie war es, die er nicht vergessen konnte. Doch im 14. Jahrhundert war es unmöglich, dass eine verheirate Frau wie Madonna Laura einen Liebhaber erhören würde.

Der großartige Poet Francesco Petrarca wurde 1304 in Arezzo geboren. 1310 folgte er seinem Vater, einem florentinischen Notar, in die politische Verbannung; zunächst nach Pisa, später nach Avignon. Dort erhielt er Unterricht in Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Schließlich nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf, das er zeitweilig in Bologna und Montpellier fortsetzte; er schloss es jedoch nicht ab. 1326 kehrte er nach Avignon zurück. Es war sein Schicksalsjahr: In Avignon traf er die verheirateten Madonna Laura zum ersten Mal. Ihr widmete er sein berühmtes Werk "Canzoniere", eine Gedichtsammlung, die von nichts anderem als seiner unerfüllten Liebe zu ihr handelt.

Mit dieser neuartigen Form der Liebesdichtung übte Petrarca so großen Einfluss auf die europäische Dichtung des Mittelalters aus, dass diese Stilform nach ihm benannt wurde: der Petrarkismus. Er löste den Minnegesang ab und lebte bis weit in die Neuzeit hinein.

Anno 1337 zog sich der Weitgereiste schließlich nach Vaucluse zurück, um sich nun vollständig seinem Schaffen zu widmen. Petrarcas Werk stellt in der italienischen Literatur den Übergang von einer mittelalterlichen, Dante verpflichteten Tradition zur neuzeitlichen Literatur dar, wobei Italienisch als lyrische Sprache verwendet wird.

Suesses_UebeljpgPetrarca war von großer humanistischer Gesinnung, die vor allem in seinem Werk "Epistulae" deutlich wird. Vollkommen neu ist in diesem Werk auch die erste literarische Naturschilderung: Petrarca beschreibt den Aufstieg auf den Mont Ventoux. Vor vielen Jahren habe ich diese Schilderung einmal gelesen.

1341 führte Rom zur Ehrung Petrarcas die altrömische Tradition der Krönung des "Poeta laurentis" wieder ein, was unter anderem auf das religiös-humanistische Werk "Trionfi", eine allegorisch-didaktische Dichtung, zurückgeht.

1353 schließlich ging Petrarca nach Mailand, um als Diplomat im Dienst der Visconti zu arbeiten. 1368 kehrte er zurück nach Argua, wo er am 18. Juli 1374 starb.

"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bringt Ihnen auf klangvolle Weise die zarte Poesie Petrarcas näher: Die Audio-CD zum Dahinschmelzen bietet mit 70 Minuten Laufzeit das Schönste, was uns die Liebeslyrik des 14. Jahrhunderts schenkt.

"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bei Jokers

Bild Francesco Petrarca: wikimedia.de

Jokers 11.06.2010, 13.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fordern wir das Realistische!

Che_klein.jpg „Seien wir realistisch: Fordern wir das Unmögliche“. Dieses Zitat stammt von Che Guevara. Der Revolutionär gilt vielen als moderner Robin Hood, schon zu Lebzeiten war der Guerillero eine Legende. Auch heute noch ist er die Vorzeigefigur und das Leitbild vieler Vertreter der Arbeiterbewegung oder auch Anarchisten. Vor allem am 1. Mai schwenken sie seine Fahnen.

Für mich ist der 1. Mai, den wir grad passiert haben, nicht nur ein Feiertag, sondern steht im Zeichen seiner Geschichte. Was für uns heute selbstverständlich ist, nämlich ein 8-Stunden-Arbeitstag, war im Jahre 1884 eine Utopie. In diesem Jahr nämlich forderten die "Föderierten Gewerkschaften und Arbeitervereine der USA und Kanadas", dass ab dem 1.Mai 1886 der Arbeitstag nicht mehr als 8 Stunden betragen sollte. Um diese Forderung zu unterstreichen, traten am 1. Mai 1884 in den USA 340.000 Arbeiter in den Streik, allein in Chicago waren es 40.000. Chicago war einige Tage später der grausige Schauplatz des „Massakers vom Haymarket“, bei dem durch einen von Provokateuren angezettelten Bombenanschlag ein Polizist und in einer folgenden Schießerei sechs Polizisten und mehrere Arbeiter getötet wurden. In einem anschließenden Schauprozess wurden sieben Personen, die sich selbst zu den Anarchisten zählten, zum Tode verurteilt. Diese Tragödie trug dazu bei, dass am 14. Juli 1889 auf dem internationalen Arbeiterkongress in Paris auf Vorschlag der amerikanischen Delegation in Erinnerung an die Opfer von Chicago der 1. Mai zum internationalen Arbeitertag erklärt wurde.

Che_Guevara.jpgBis zu unseren heutigen Arbeitsbedingungen war der Weg jedoch noch lang und steinig: Erst 1900 wurde der 10-Stunden-Arbeitstag und die 6-Tage-Woche und in den Jahren 1918/19 der 8-Stunden-Arbeitstag gesetzlich geregelt. 1955/56 wurde in der damaligen Bundesrepublik schrittweise die 5-Tage-Woche eingeführt, 1965 die 40-Stunden-Woche. Seit 1990 dürfen sich einige Angestellte über eine 35-Stunden-Woche freuen.

Was hätte Che Guevara dazu gesagt? Vielleicht: „Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.“ Wenn Sie mehr über Ernesto Che Guevara erfahren wollen, lege ich Ihnen unsere beiden Audio-CDs „Che Guevara“ nahe. Hier erfahren Sie wirklichkeitsnah und nicht beschönigend viel Wissenswertes aus dem Leben des weltberühmten Kämpfers.

Audio-CDs „Che Guevara“ bei Jokers

Bild: Che Guevara 1958/wikimedia.de

Jokers 13.05.2010, 11.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Thema Veränderung

veraenderung_meistern.jpg"Sich beobachten heißt sich verändern...", sagte der französische Philosoph und Schriftsteller Émile-Auguste Chartier. Unter dem Pseudonym Alain verfasste er unzählige Aphorismen und aphoristische Essays, den so genannten Propos. Wöchentlich gab er seine „Libres Propos“ heraus, auch andere Magazine veröffentlichte er.

Am 3. März 1868 wurde er in Mortagne-au-Perche geboren; am 2. Juni 1951 starb er in Le Vésinet. Seine Texte drehten sich immer wieder um politische Themen. Als Pazifist mit leicht anarchistischen Zügen drückte er sein Misstrauen gegenüber den Mächtigen öfter in seinen Essays aus.

Sich beobachten heißt sich verändern… Oft habe ich mit Freunden über den philosophischen Hintergrund dieses Satzes diskutiert. Ist es nicht so, dass die meisten Menschen Veränderung eher als gefährlich oder bedrohlich empfinden? Auch ich selbst muss das zugeben. Auch sich selbst zu verändern, wer macht das gern? Lieber verharren die meisten Menschen in Stagnation. Sicherheit aufgeben? Nie und nimmer. Ich nehme mich da nicht aus. Schon Seneca, der altrömische Philosoph und Dichter, fasste seine Ansicht so zusammen: „O wie gut erginge es manchen Menschen, wenn sie einmal aus ihrem Geleise herauskämen.” Aber anscheinend ist nur lebendig, wer sich wirklich wandelt. Ganz drastisch formulierte es Richard Wagner: „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.”

Veränderung meistern“ ist der Titel der MP3-CD, die fünf Vorträge während eines Retreats in Leuk / Schweiz, 2005 umfasst. Die Original-Referate des Psychologen und Therapeuten Chuck Spezzano sind auf Englisch mit anschließender Übersetzung. Als Bestsellerautor, Seminarleiter und spiritueller Wegbegleiter hat sich Spezzano weltweit einen Namen gemacht.

Jokers 30.03.2010, 15.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ach, du dickes Ei!

dickes_ei_cd.jpgKaum zu glauben: Bald ist Ostern. Vor kurzem noch schimpften wir über meterhohen Schnee, die ersten Frühlingsstürme zogen schon über unsere Lande hinweg und einige haben sich schon ihren ersten Sonnenbrand des Jahres in der noch zaudernden Frühjahrssonne geholt. Für mich läutet immer Ostern den Frühling ein. Dieses Jahr fällt Ostern zwar sehr früh auf Anfang April, aber auch diesmal werde ich das Osterfest als meinen persönlichen Frühlingsbeginn begehen.

Und mit der Wärme der Sonne traut sich auch die Heiterkeit wieder hinter dem Ofen hervor, wo sie während der langen Wintermonate Zuflucht suchte. Es ist die Zeit der Freude, der Fröhlichkeit, des Witzes, des Charmes. Ringelnatz, der Meister der Heiterkeit, hat Ostern ein eigenes Gedicht gewidmet.

Ostergedicht

Wenn die Schokolade keimt,
wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
Glockenklingen sich auf Lenzeschwingen
endlich reimt,
und der Osterhase hinten auch schon presst,
dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, -
dann mit jenen Dichterlingen
und mit deren jugendlichen Bräuten
draußen schwelgen mit berauschten Händen –
ach, das denk ich mir entsetzlich,
außerdem - unter Umständen –
ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingwärme
durch geheime Gänge und Gedärme
in die Zukunft zieht,
und wie dankbar wir für solchen Segen
sein müssen.
Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
die so langgezogene Kugeln legen.

Auch unsere Audio-CD „Ach, du dickes Ei“ steht ganz im Zeichen von Ostern. Kecke und übermütige Texte laden alle Hörer ein, sich einfach nur zu freuen. Über Ostern, über den Frühling, über die Sonne…

Jokers 26.03.2010, 15.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Gedicht zum Auswendiglernen

Erich KästnerAm 23. Februar diesen Jahres würde Erich Kästner 111 Jahre alt: Wenn diese Schnapszahl nicht ein besonderer Geburtstag ist! In Dresden geboren, studierte der weltbekannte deutsche Autor nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. Im Jahre 1925 promovierte er in Philosophie, 1927 übersiedelte er nach Berlin.

Auch als Theaterkritiker und als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen war Kästner tätig. Doch seinen Ruhm erlangte er sicherlich mit seinen in mehr als einhundert Sprachen übersetzten Kinderbüchern. Doch er war auch ein Schriftsteller für „große“ Leser: Viele seiner Romane wurden auch verfilmt. Drei Männer im Schnee, Der kleine Grenzverkehr, Notabene, Die Schule der Diktatoren, Kurz und bündig, Die kleine Freiheit, Die verschwundene Miniatur, Fabian, Gesang zwischen den Stühlen, Ein Mann gibt Auskunft, Lärm im Spiegel, Herz auf Taille hießen die Verfilmungen.

Die „Lyrische Hausapotheke“ ist einer meiner Lieblingsgedichtbände von Kästner: Wir bieten sie Ihnen jetzt als besonderen Hörgenuss auf CD an. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Verse des einzigartigen deutschen Autors:

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. –
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.



(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 03.02.2010, 15.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Handlung in drei Aufzügen

Tristan und IsoldeVor wenigen Jahren (2006) wurde die große Sage von Tristan und Isolde in die Kinos gebracht. Regisseur war Kevin Reynolds („Robin Hood: König der Diebe"), in den Hauptrollen waren James Franco („Spider Man") und Sophia Myles („Underworld") zu sehen. Ausführender Produzent war Ridley Scott, der sich mit den Kino-Hits „Königreich der Himmel" und „Gladiator" einen Namen machte.

Die Inhaltsangabe des Films wurde folgendermaßen publiziert: Nach dem Ende des römischen Reichs sind die Stämme Englands mit Irland verfeindet. Einer ihrer Führer, Lord Marke, zieht mit dem jungen Kämpfer Tristan, den er wie seinen eigenen Sohn liebt, in eine große Schlacht. Sie werden vernichtend geschlagen. Tristan selbst wird verwundet und vorschnell für tot erklärt. Sein vermeintlicher Leichnam wird, wie es die Tradition für Könige verlangt, mit einem Boot aufs Meer geschickt. Er strandet an der Küste Irlands und wird dort von Isolde, der Tochter des irischen Königs Donnchadh gefunden. Sie pflegt ihn heimlich gesund und zwischen ihnen entwickelt sich eine innige Liebe. Doch Irland ist zu gefährlich für Tristan und so kehrt er zurück nach England und zu Lord Marke. Die Rückkehr des Totgeglaubten wird begeistert gefeiert, aber Tristans Herz gehört von nun an Isolde. Und als Isolde als Teil eines Friedensvertrags mit Lord Marke vermählt wird, sind sich die Liebenden plötzlich wieder nah und doch so fern, denn ihre Liebe darf nicht sein. Doch je mehr sie versuchen, ihre Gefühle füreinander zu unterdrücken, desto stärker brennt die Leidenschaft in ihnen und so riskieren sie alles für einen letzten Moment in den Armen des anderen. Ohne es zu ahnen beschwören sie großes Unheil herauf. Heldenhafte Schlachten, königliche Intrigen und eine große Liebe unter einem schlechten Stern: Das ist die große Sage von Tristan & Isolde.

Noch bekannter als der Film und die Sage in Schriftform ist allerdings die große Oper von Richard Wagner. Tristan und Isolde wurde von Richard Wagner selbst als „Handlung in drei Aufzügen“ bezeichnet. Die Uraufführung fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München statt, Hans von Bülow leitete die Inszenierung.

Für nur 1.99 EUR bieten wir Ihnen die keltische Sage aus dem König-Artus-Kreis nun als besonderes Hörspiel an: Spielszenen und Original-Opern-Musik begeistern nicht nur eingefleischte Opern-Fans, sondern bringen auch Kindern das wunderbare Stück näher.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 29.01.2010, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Empfohlen: eine Hör-Biographie

Ingeborg BachmannMögen Sie Biografien? Ich finde es immer spannend in ein fremdes Leben zu schauen, besonders wenn die Person so interessant ist wie Ingeborg Bachmann.

Die Österreicherin war eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Als ihr Gedichtband „Die gestundete Zeit“ 1953 erschien, wurde sie schlagartig bekannt. Auch denen, die bislang mit Lyrik nichts am Hut hatten. Ihren Erzählband „Das dreißigste Jahr“ und den Roman „Malina“ haben viele gelesen, und in der Form des jährlich verliehenen Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preises ist ihr Name aus der Literatur-Szene nicht mehr wegzudenken – immerhin ist dies einer der renommiertesten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum.

Das klingt recht schön und erfolgreich. Aber das Leben der Schriftstellerin war alles andere als unbeschwert und endete ebenso früh wie tragisch: Sie starb an den Verletzungen, die sie sich bei einem Brand in ihrer Wohnung in Rom zugezogen hatte. Das Ende ihrer langjährigen Beziehung zu dem Autor Max Frisch hat sie schwer getroffen, sie war alkohol- und tablettenabhängig.

Das grandiose Werk Ingeborg Bachmanns steht für sich, das ist keine Frage. Auch ohne Kenntnis ihres Lebens ist es ein Stück große Literatur. Aber woher kam Ingeborg Bachmann? Was trieb sie an? Wer hat sie beeinflusst und begleitet?

Gut, wenn die Antworten auf diese Fragen dem Literaturfreund auf einem Hörbuch von einer so umwerfenden Stimme nahe gebracht wird wie der von Sophie Rois. Wer sie einmal gehört hat, wird sie immer wieder erkennen. Sie macht die Biografie Ingeborg Bachmanns auf zwei Audio CDs zu meiner ausdrücklichen Hör-Empfehlung. Und bei dem Preis können Sie meiner Meinung nach sowieso nicht nein sagen ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 23.12.2009, 09.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mein Kurz-Trip ins All

Dass die Science-Fiction-Literatur nicht gerade mein Spezialgebiet ist, beweist mir immer wieder mein Freund Gerhard. Als bei einer unserer regelmäßigen Stammtischrunden neulich die Sprache auf Frank Schätzings neuen Roman „Limit“ kam, zeigte Gerhard unerwartete Fachkenntnis. Ich wollte gerade Schätzings Vorliebe für wohl recherchierte Hintergründe preisen und über den Abbau neuer Energiestoffe auf dem Mond philosophieren, da brachte er die Sprache auf Stanislaw Lem.

EdenDer polnische Science-Fiction-Autor, der mir bislang nur wenig bekannt war, sei einer seiner Lieblingsautoren. „Dieser Mann hatte noch Visionen und schrieb schon vor über 50 Jahren Romane, an denen sich Nachfahren wie Frank Schätzing, Andreas Eschbach oder der mittlerweile verstorbene John Michael Crichton noch eine Scheibe abschneiden konnten.“

Die heutigen Science-Fiction-Autoren hielten sich zu streng an die Regel, in einem Roman nie mehr als ein spektakuläres wissenschaftliches Gedankenkonstrukt vorzustellen. Dabei kritisierte Gerhard vor allem den Vorsatz, das Publikum geistig keinesfalls zu überfordern. „Derweil gibt es sehr viele Leser, die genau das wollen. Ich liebe es, mit neuen Gedanken herausgefordert zu werden. Eben so, wie es Lem zum Beispiel in seinem letzten Buch `Fiasko´ tut.“ In diesem Werk konstruiert der Autor eine mögliche Zukunftsvision des wissenschaftlichen Menschheitsfortschritts.

Dass Lems Werke ebenso witzig wie anspruchsvoll sind, entdeckte ich vor wenigen Tagen selbst, als ich per Zufall im Fernsehen „Ijon Tichy: Raumpilot“ sah. Basierend auf „Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy“ erzählt die Kurzfilm-Serie verschiedene Abenteuer einer Art Weltall-Münchhausen. Das hat mir auf jeden Fall Lust auf mehr Science-Fiction gemacht. Ich denke, ich werde meinen Trip ins All mit Stanislaw Lem beginnen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 11.12.2009, 08.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Deutsche beim Fleisch

Katherine MansfieldEine Neuseeländerin als Kurgast im tiefsten Bayern. Das klingt interessant, dachte ich mir. Und tatsächlich – der Erzählungsband „In einer deutschen Pension“ von Katherine Mansfield war ein Glücksgriff: detailverliebte Momentaufnahmen, bissige Beobachtungen und feiner Humor, der die dargestellten Personen zwar scharf zeichnet, aber nicht bloßstellt.

Die Erzählungen Katherine Mansfields sind voller Aufmerksamkeit gegenüber Menschen und Dingen. An Kleinigkeiten macht sie ihre zart pointierten Sätze fest und überlässt es dem Leser, sich ein Urteil über die dargestellten Personen zu bilden. Die illustre Tischgesellschaft etwa, die in der bayerischen Pension über die Gesellschaft plaudert, erweist sich als so bigotte und spießige Runde, dass man schmunzeln muss und die nächste Erzählung kaum erwarten kann. Dort erwarten einen wieder neue Charakterzeichnungen von äußerst vergnügten Witwen oder bornierten Aufschneidern. Herrlich! Ich habe mir beim Lesen immer vorgestellt, wie die Autorin heimlich Notizen in ein Büchlein macht, das sie unter einer Tischdecke mit Häkelkante versteckt.

Ihr eigenes Leben war kurz und wohl nicht sehr glücklich. Das Zerwürfnis mit ihrer Familie und ein chronisches Lungenleiden ließen sie nur 34 werden.

Die Freude an der sprachlichen Kunst, die man bei Katherine Mansfields Geschichten empfindet, ist kein Wunder, gehört die Autorin doch zu den Klassikern der Literatur des 20. Jahrhunderts. Auch wenn „Deutsche beim Fleisch“ – das sind einige der Geschichten aus „In einer deutschen Pension – zugegebenermaßen etwas martialisch klingt. Aber wie vergnüglich das Ganze tatsächlich ist, habe ich Ihnen ja schon beschrieben.

Hier bei Jokers bekommen Sie Katherine Mansfields prächtige Erzählungen als Schnäppchen-Hörbuch.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 04.12.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Lexikon der überflüssigen Dinge

Für den einen sind es rote Ampeln, für den anderen Nikotinpflaster, für den dritten Hair-Extensions: Jeder von uns hat seine persönliche Liste von bevorzugten Überflüssigkeiten.
Die Gründe dafür sind vielfältig – und müssen meistens nicht erklärt werden. Weil eben jeder seine eigene Hass-Liste hat.

Das Lexikon der überflüssigen Dinge stellt eine durch und durch erheiternde Auflistung überflüssiger Dinge dar. Und der Autor ist kein anderer als Alexander von Schönburg (das „Graf“ in seinem Namen ist überflüssig). Kennen Sie nicht? Und wenn ich Ihnen zwei seiner berühmten Schwestern verrate, Gloria von Thurn und Taxis und Maya Flick?

Vielleicht hat ihn seine Erbfolge zu seinem Lexikon veranlasst – wir wissen es nicht. Seit dem Tod des Vaters im Jahr 1998 ist er Chef des gräflichen Zweigs des bis 1740 souveränen Adelsgeschlechts von Schönburg und führt als solcher nach adeligem Kodex den Titel "regierender Graf" und das Prädikat "Erlaucht".

Fakt ist auf jeden Fall, dass sein Werk unglaublich Spaß macht. Und wenn Sie es durchgeschmökert haben, können Sie ruhig zur weiterführenden Lektüre – oder, besser gesagt: Audio-türe, übergehen. Auf zwei Kassetten gibt der Graf nämlich eine Einweisung in das, was Sie schon immer über Könige wissen wollten ... Na, wenn das mal keine Informationen aus erster Hand sind!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 30.11.2009, 08.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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